LOSLASSEN- das fällt Eltern oft so schwer

Willst du wissen, woran das liegt und wie es dir leichter fällt?  

Es klingt doch so banal – Loslassen „ja“, denkt man sich, „dann lass ich halt mal los!“  

Doch so einfach wie eine Hundeleine aus den Händen gleiten zu lassen damit der geliebte Vierbeiner über die Felder toben kann, um ein kurzes Gefühl Der Freiheit zu erleben, ist es mit den Pubertieren eben nicht.  

Dabei wissen wir beim Hündchen ganz genau, was unsere Rasse braucht. Sicher erst mal viel Auslauf! Und da wir ja ein guter, gebildeter und vor allem vernünftiger Hundehalter sind, befolgen wir die Regeln und Tipps zur artgerechten Haltung!  

Dazu gibt es zahlreiche Literatur, vom einfachen Ratgeber bis hin zu Geheimtipps vom Hundeflüsterer. Sogar das Fernsehen hat da praktische Tipps- super!  

Doch das Pubertier, das steht uns noch viel näher- eine enge emotionale Bindung ein dickes Band ist doch da zwischen uns. Da geht es eben nicht so leicht!  

Ja, das mag schon sein. Doch ist es wirklich noch so eng? Oder ist es nicht längst an der Zeit die Leinen etwas lockerer zu lassen. 

Vielleicht schnürt es deinem Pubertier schon längst den Atem ab?  

Oder könnte es nicht auch sein, dass du es nicht ertragen kannst, dass deine Prinzessin oder dein Prinz auch eigene Vorstellungen vom Leben hat?
An dieser Stelle kommt sofort der Einwand, den ich immer und immer wieder zu hören bekomme:  

„Moment mal- aber er/ sie weiß doch in diesem Alter noch gar nicht, was gut oder schlecht im Leben ist. Da fehlt die Lebenserfahrung, dafür bin ich zuständig! Ganz abgesehen von den vielen Gefahren da draußen… .“  

An dieser Stelle muss ich stets den Stopp- Knopf drücken und die Gretchenfrage stellen:  

Meinst du dein Kind hätte laufen gelernt, wenn es ständig gehalten worden wäre?  

Nein – da gab es auch Gefahren, die es zu überwinden galt. Unzählige Male fiel dein Kind auf den Arsch und schlug sich die Knie auf oder holte sich eine Blessur am Kopf! Konntest du es immer verhindern? Nein, genau das solltest du auch nicht! 

Das Scheitern braucht es, um zu wachsen! Verstehst du?  

Erst als dein Kind so sicher auf den kleinen Beinchen war, konnte es einen wichtigen Schritt im Leben machen. Dazu brauchte es dich, keine Frage, aber alles mit Maß und Ziel. Die ersten Gehversuche benötigten noch viel Aufmerksamkeit und Unterstützung von dir. Doch irgendwann musst du LOSLASSEN. Somit gelingen die ersten selbständigen Schritte!
Du kannst dich an diese Zeit bestimmt noch sehr gut erinnern. Eines Tages – zack- dein Süßer oder deine Süße lässt die Fingerchen los und läuft die ersten Schritte allein!  

Großer Jubel, große Freude, kannst du dich noch daran erinnern?  

Spür mal hin- was löste das damals alles in dir aus? 

Kam da auch ein kleines Gefühlschaos in der hoch? Stolz! Freude! Du warst so überwältigt, dass du platzen könntest vor Freude? 

Oder gab es da nicht auch die andere Stimme, die da in dir sprach: Hui, da muss ich aber jetzt auf der Hut sein, dass nichts passiert! Angst! Befürchtungen! Verpflichtung! Verantwortung! 

Da sind sie wieder, diese Gefahren, vor denen man als Mutter oder Vater so unbedingt bewahren will. Dieses Verantwortungsbewusstsein hängt über uns Eltern manchmal wie ein Damoklesschwert. 

Auch unsere Gesellschaft suggeriert uns Eltern allzu oft das Bild der „happy family und wie genau das richtige Verhalten auszusehen hat in Sachen Erziehung.  

Die Sozialwissenschaft gibt es vor- „Verinselung der Kindheit so lautet angeblich das neue Phänomen und scheint der einzig wahre und richtige Weg zu sein. Daran können wir Eltern uns orientieren- zum Glück!
Jeder, der Kinder hat, braucht am besten ein Häuschen mit Garten in sicherer Wohnidylle. Eine Sportart wäre gut, ein Instrument vielleicht noch dazu und obendrein, mindestens der Besuch einer Realschule oder besser noch des Gymnasiums.  

Dann, aber auch nur dann, können wir garantieren unsere Sprösslinge möglichst geringen Risiken auszusetzen und ein reibungsloses und glückliches Leben zu führen.  

Wo bleibt denn da das Loslassen 

Genau! Es kommt zu kurz, nein es wird sogar völlig übersehen.  

Ich bin jedoch der festen Überzeugung ohne das Loslassen wird es lediglich Stillstand geben.
Keinerlei Chance auf Wachstum! Doch Leben heißt doch Wachstum, alles was lebt, wächst! 

Die mitschwingende Angst führt zum Bewahren wollen- festhalten. Das kann bis zur totalen Lähmung führen. Sowohl in deinem Leben in der Rolle als Mutter oder Vaters, aber auch für dein geliebtes Kind. Stillstand bedeutet Lähmung. 

Ähnlich verhält es sich mit dem weitverbreiteten Streben nach Perfektionismus und dem „Hinterherhecheln“ auf DAS Idealbild von Familie. Diese Erwartungen können zu starken Überforderungen und wiederum zu Stillstand führen. 

Ich bringe an dieser Stelle stets den Einwand, wo denn eigentlich die Meinung des Jugendlichen bleibt?? 

Hast du schon mal gefragt was dein Teenie gerade von seinem Leben erwartet? 

Oder traust du ihm/ ihr das nicht zu? 

Oder bist du ein Papa, der ständig nachfragt? Sogar bei der Auswahl deines Autos ist dir die Meinung deines Filius wichtiger als die eigene? Bist du die Mama, die der Prinzessin im Bad den Vorrang lässt?  

Das alles sind zwar provokante Fragen, mit denen du dich dennoch einmal befassen solltest. Das Bewusstwerden eigener Haltungen wird dir das Loslassen erleichtern. Denn wenn man etwas erkannt, gesehen und akzeptiert hat, kann man es auch loslassen. 

Bei der genaueren Betrachtung der Wortbedeutung „LOSLASSEN“ bin ich auf bemerkenswerte Verbindungen zum Thema gestoßen. Gibt man bei Google „loslassen synonym“ ein, erhält man als erste Bedeutung „freistellen“ wie erleichtern oder beurlauben. Als zweite Bedeutung wird tatsächlich „befreien“ genannt. Wie interessant, wenn man das BEFREIEN nicht nur aus der Perspektive des Erwachsenen betrachtet.  

Denn genau dann kann auch wieder Wachstum entstehen. Zuerst bei dir und dann natürlich auch bei deinem Pubertier.  

Ich sage ja nicht, dass dir ab sofort alles scheißegal sein soll, was deine Kinder so treiben. Ganz im Gegenteil- dann wärst du ein Fall fürs Jugendamt und du bräuchtest ganz andere Hilfe!
Nein! Davon spreche ich nicht. 

Ich bin mir aber sicher, dass grade im Prozess des Erwachsenwerdens das Loslassen ein wichtiger Bestandteil für beide Beteiligten darstellt.

Gestattet mir einen winzigen Ausflug ins Lateinische:

Betrachten wir das Wort „Prozess genauer, stellt man fest es kommt von procedere , was so viel wie „vorwärts gehen“ und eben nicht „nachgeben“ (=lat. cedere) bedeutet.

Doch auch ohne Latinum müssen wir Eltern zugeben, dass unsere Kids fortwährend loslassen müssen, um weiter vorwärts zu kommen. Denn unser gesamtes Leben ist ein einziger Prozess! 

Doch wichtig dabei scheint mir nicht zu übersehen, dass jeder Mensch, also auch unsere Pubertiere, einen individuellen Lebensprozess beschreiten. So wie jedes Blatt, jede Schneeflocke eine völlig einmalige Form aufweist, sind doch gerade wir Menschen eines der wunderbarsten und unvergleichbarsten Geschöpfe dieser Erde. 

Gerade diese Einzigartigkeit heißt es zu stärken, wenn das der Prozess grade verlangt. Auch zur rechten Zeit ins Vertrauen zu kommen und loszulassen, wenn das im Prozess gerade wichtig ist.  

So bleibt das Leben an der Seite eines Pubertiers stets spannend und fordert uns heraus. Ja das tut es! Doch genau in diesem Spannungsfeld befindet sich enormes Entfaltungspotential- für dich, für mich und jeden, der es zulassen kann! (schon wieder ein Wort mit „lassen“😊) 

Aber schließlich ist das Leben ein Prozess, auf den wir uns einlassen oder uns dagegen versperren können. 

Entscheide selbst, ob du es mit offenen Armen annehmen willst. Denn auch das Annehmen ist nicht immer leicht, gehört aber trotzdem zu einem gesunden glücklichen Leben dazu.

Ich freue mich, dich in meinem nächsten Artikel wieder zu treffen, wenn ich mich genau diesem Thema widmen werde. ANNEHMEN- was das mit Pubertät und deinem Lebensprozess zu tun hat, verrate ich dir dann. 

Ich freue mich immer über eine angeregte Diskussion zum Thema. Lass mich wissen, was dich gerade bewegt, wenn du an das Wort „lassen“ denkst.  

3 Gedanken zu “LOSLASSEN- das fällt Eltern oft so schwer

  1. Caro Antworten

    Das spricht mir aus dem Herzen! Danke für den Blickwinkelwechsel, der mir möglich wurde! 🙂

  2. Daniela Antworten

    LASSEN:
    Dazu fällt mir der Dauerbrenner- Satz meines Pubertiers ein:
    „Lass mich, chill mal!!
    Mich treibt das in den Wahnsinn!
    Nach diesem Artikel denke ich: Vielleicht muss sie es sooft und vehement kundtun, damit ich es ENDLICH checke.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.